Heute möchte ich, soweit es möglich ist, einen Einblick in den Alltag eines Personenschützers geben. Der Unterhaltung halber wurde ein Einsatztag während eines Auslandsaufenthaltes gewählt, da dort mehr Bewegung und weniger „Alltag“ gegeben war. Der Personenschutz exponierter Persönlichkeiten / Familien am Heimatstandort sieht meist anders aus, ist aber keineswegs weniger anspruchsvoll!

Es wurde ein Tag aus der Einsatzmitte gewählt, 9 Tage Dauereinsatz gingen voraus. Dies nur zur Verdeutlichung, dass es teilweise kein geregeltes Leben oder viel freie Zeit birgt in diesem Job tätig zu sein. Tätigkeit während diesem Einsatz war die Gesamtleitung der Sicherheit des Klienten und dessen Familie. Die Zeiten können um einige Sekunden, ggf. sogar Minuten variieren.

  • 04:30 Uhr zügiges Aufstehen, die ersten 3 Sätze Liegestützen gefolgt von Kniebeugen absolvieren
  • 04:45 Uhr eiskalte Dusche, um die Müdigkeit zu vertreiben, Rasur und Körperpflege sowie anlegen der Kleidung sowie Ausrüstungsgegenstände
  • 05:00 Uhr Prüfung der Einsatzmittel und Studium der Tagesordnung
  • 05:10 Uhr feststellen, dass „Frühstückszeit“ im Hotel immer noch ab 07:00 Uhr beginnt
  • 05:11 Uhr froh sein, dass die nette Dame des Housekeepings einen Kaffee für die Einsatzkräfte hingestellt hat
  • 05:12 Uhr genießen des schwarzen Goldes nebst Einsatzbesprechung mit den weiteren Kräften
  • 05:20 Uhr Lagebesprechung mit der Nachtschicht und Verteilung der Kräfte
  • 05:30 Uhr Überprüfung der „Static Guard“ Positionen und Verbindungsaufnahme mit der Aufklärung
  • 06:00 Uhr Rücksprache mit der Schichtleitung des Hotels und Abstimmung der Abläufe
  • 06:15 Uhr Abstimmen des Tagesablaufs mit dem Leiter des Fahrservices und der Sicherheitsfahrer
  • 06:30 Uhr Begehung aller Positionen im Hotel (Sicherheitsbereich, Frühstückssaal, sowie alle Flucht und Rettungswege)
  • 07:00 Uhr Meeting mit dem direkten Bediensteten des Klienten und Abstimmung des Tagesablaufes
  • 07:30 Uhr Änderung des bis dato geplanten Ablauf in den neuen Ablauf mit Informierung aller betroffenen Kräfte
  • 08:00 Uhr Begleitung des Klienten zum Essensraum nebst Nennung aller Sicherheitsrelevanten Vorkommnisse
  • 08:05 Uhr Klient isst, Personenschützer sind aktiv – Zeit für einen Eiweißshake
  • 08:10 Uhr Koordinierung der Abfahrt des Klienten und dessen Familie nebst Aufteilung des Kommandos auf nun 2 verschiedene Schutzziele und Routen (Information über die Aufteilung erfolgte um 08:07 Uhr)
  • 08:15 Uhr Verteilung der Aufklärungskräfte auf die neuen Routen und Zielorte
  • 08:30 Uhr Abholung d. Klienten, Begleitung zu den Fahrzeugen, Überprüfung des sicheren Einsteigens des Klienten und zügiges aufsitzen ins Auto hinter der Schutzperson
  • Während der Fahrt stetige Kommunikation mit dem Pointer Car und der Aufklärung am Zielort
  • 09:15 Uhr Ankunft am Zielort und Begleitung des Klienten zum ersten Termin
  • 09:20 Uhr Begehung der Positionen am derzeitigen Standort und Instruktion der Einsatzkräfte auf Vorgehen bei unerwarteter Abfahrt
  • 09:30 Uhr glücklicherweise erinnere ich mich an den Standort der Kaffeemaschine im Zielobjekt und drücken der Taste für „Café Crema“
  • 09:32 Uhr Funkkontakt mit Aufklärung vor Ort und persönliche Prüfung der gemeldeten „Lage“ (2 verdächtige Personen seit mehreren Minuten ohne erkennbaren Grund im Auto mit laufendem Motor, gegenüber des Objekts)
  • 09:35 Uhr Umstrukturierung der eingesetzten Kräfte auf mögliche Lageveränderung (möglichst unbemerkt vom Klienten oder anderen im Haus anwesenden Personen)
  • Zeitgleiche Kontaktaufnahme mit Schutzteam 2 und Informationsweitergabe an dortigen Kommandoführer
  • 09:50 Uhr keine Lageveränderung und Kontaktaufnahme zur örtlichen Polizei mit Bitte um Unterstützung bei Identifizierung der möglichen Gefährdung
  • 09:55 Uhr Rückruf der örtlichen Polizei, es handelt sich bei den verd. Personen um 2 Beamte in Zivil, welche „die Meldung über einen laufenden Personenschutzeinsatz nicht gelesen hatten und mal schauen wollten was da los ist mit so vielen Autos“ aber nun sofort den Bereich verlassen werden (Schade eigentlich nun da sie identifiziert waren wäre jede Unterstützung natürlich willkommen gewesen)
  • 10:00 Uhr Entwarnung an alle Kräfte und Umpositionierung auf ursprüngliches Vorgehen
  • 10:05 Uhr Telefonat mit Kommandoführer des Schutzteam 2 um Lageupdates aus dessen Einsatz zu erhalten
  • 10:15 Uhr Neid auf den Kollegen, da diese gerade auf Befehl der Klientin, ein Eis verzehren mussten
  • 10:30 Uhr Message des Klienten „Das Gespräch mit Herrn … ist fürchterlich, ich kann aber nicht einfach gehen bitte lassen sie sich etwas adäquates einfallen. Ich würde gerne in 10 Minuten abfahren“
  • 10:31 Uhr Brainstorming nach einer Lösung für genanntes Problem + Start der Abfahrvorbereitungen und Information aller Kräfte (nebenbei froh sein, dass gerade niemand auf dem Klo ist und alles reibungslos funktioniert)
  • 10:42 Uhr (ich habe die 10 Minuten nicht ganz geschafft) Betreten des Besprechungssaales mit höflichem Entschuldigen für die Störung und leisem Bitten an den Klienten uns sofort zu folgen, da eine mögliche Sicherheitslücke im Haus besteht.
  • 10:43 Uhr mein Klient verabschiedet sich mit den Worten „Es tut mir sehr leid, dass ich so abrupt gehen muss, aber mein Personenschutz sieht manchmal Gespenster und wird nervös“
  • 10:43 Uhr festes beißen auf die Backen, um mir Kommentare hierzu zu verkneifen
  • 10:45 Uhr Abfahrt mit dem Klienten in Richtung Norden (Ziel wurde in der Message keines genannt)
  • 10:46 Uhr Rücksprache mit dem Klienten, welches Ziel als nächstes angefahren werden soll (da der nächste Termin um 14:00 Uhr anstand, wollte die Schutzperson in der Zwischenzeit im Hotel etwas zu essen zu sich nehmen)
  • 10:55 Uhr Auto des Klienten bleibt ruckartig an der Straßenseite stehen und über Funk kommt vom Schützer im Auto des V.I.P. „Absitzen, wir gehen den Rest zu Fuß und suchen nach Blumen für die Partnerin des Klienten“
  • 10:56 Uhr Information an „Pointer Car“ über die Lageveränderung, Koordination des Fahrservices und Begleitung des Klienten bei der Suche nach Blumen
  • 11:05 Uhr Suche per Google Maps nach einem Blumenladen
  • 11:05 Uhr Feststellung das der nächste Laden der wahrscheinlich Blumen führt, ca. 2km entfernt liegt und Weitergabe dieser Information an den Klienten
  • 11:06 Uhr statisches Stehen in einem stark frequentierten Bereich und Besprechung mit dem Klienten, ob er den Weg zu Fuß zurücklegen möchte oder die Autos uns abholen sollen (das erste Hemd war nun vollends durchgeschwitzt)
  • 11:10 Uhr Entscheidung wurde getroffen, wir gehen zu Fuß zum Restaurant die Straße runter und nehmen dort Essen zu uns „Ihr habt ja auch noch nichts gegessen oder, ich lade euch ein“ (Da mir bekannt war, dass selbst heftigstes verneinen nicht akzeptiert wurde, freute sich mein leerer Magen auf eine Mahlzeit)
  • 11:11 Uhr Koordination des Fahrservices der Aufklärer und Begleitung der Schutzperson in Richtung des besagten Lokals
  • 11:16 Uhr Auffindung eines Blumengeschäfts, welches nicht auf Google verzeichnet war und Betreten desselben mit einem hocherfreuten Klienten
  • 11:40 Uhr Blumenkauf erfolgreich abgeschlossen, Ziel vieler verdutzter Blicke und tausender Fragen durch den Inhaber des Geschäfts geworden
  • 11:50 Uhr Eintreffen an o.g. Lokal (mit höchster Vorfreude meines leeren Magens)
  • 11:51 Uhr Information durch die Schutzperson, dass wir nun doch sofort zum Hotel verlegen, da sonst die 150 $ Blumen eingehen könnten (Ich war durchaus froh, dass die Autos schon auf Position standen, mein Magen war von der Idee nicht gerade angetan)
  • 12:30 Uhr Ankunft am Hotel, Begleitung der Schutzperson auf sein Zimmer
  • 12:35 Uhr Einteilung der Kräfte und Besprechung der Abfahrt um 13:25 Uhr mit allen nötigen Informationsträgern
  • 12:45 Uhr Rücksprache mit Kommandoführer Team 2 um Lageupdates zu enthalten (das Steak war hervorragend und ich begann langsam den Kollegen immer weniger zu mögen…)
  • 12:55 Uhr Eintreffen im eigenen Zimmer, erneutes Duschen, Hemd wechseln und Deodorant sowie Parfüm erneuern
  • 13:15 Uhr Abgabe der alten Kleidung an der Rezeption mit Bitte um Reinigung
  • 13:16 Uhr der Concierge wurde mein bester Freund, da er mir unter Mitleidigen Blicken einen Eiweißriegel zusteckte, den ich während der Inspektion der Abfahrtsaufstellung und Rücksprache mit der Aufklärung, genussvoll verspeiste
  • 13:25 Uhr Abholung des Klienten an dessen Zimmer und Abfahrt in Richtung Zielobjekt 2
  • 13:50 Uhr pünktliches Eintreffen am Zielort und Verteilung der Kräfte
  • 14:00 Uhr Rücksprache mit Kommandoführer Team 2 und Informationsweitergabe über sicheres Eintreffen am Zielort nebst vermutetem weiterem Tagesordnungspunkt (gemeinsames Dinner im Hotel) „Wir sind gleich im Hotel die Klientin und die Kinder wollen erstmal einen Mittagsschlaf machen, wir teilen das Kommando auf und erholen uns auch ein bisschen“ bestätigte mich erneut – diesen Typen kann man nicht mögen, warum habe ich den eingestellt
  • 14:15 Uhr Anruf Kommandoführer Team 2 „Die Klientin ist von den Blumen im Zimmer so begeistert, dass sie heute Abend schick auswärts essen gehen möchte, und zwar im…“
  • 14:20 Uhr Einstellung des gesamten Kommandos auf die beiden möglichen Situationen mit Bitte um Informationsbeschaffung zu besagtem Lokal und Sichtung durch die Kräfte der Aufklärung
  • 14:35 Uhr Einladung des Klienten, wir sollen doch bitte 2 Tabletts mit belegten Brötchen für uns nehmen und diese verzehren
  • 14:40 Uhr Verteilung der Mahlzeiten an die eingesetzten Kräfte (diesmal habe ich mir sogar eins weggelegt um nicht wie 2 Tage zuvor, ohne eins da zu stehen)
  • 14:45 Uhr ein Käsebrot mit Kräuterfrischkäse war noch nie so köstlich wie in diesem Moment (der Größe von gefühlt 2 Quadratzentimetern spielte keine Rolle mehr, es war Nahrung)
  • 14:55 Uhr die „freie“ Zeit wird genutzt, um beide möglichen Abendpläne durch zu arbeiten und die Kräfte zu briefen
  • 15:20 Uhr der Magen ist erstaunt über das plötzliche Frühstück und meldet die vollzogene Verdauung nebst bekannten Folgen
  • 15:30 Uhr Durchführung der o.g. Folgen mit stetigem Hintergedanken „Hoffentlich passiert nicht genau jetzt irgendetwas“
  • 15:35 Uhr in Ruhe ist etwas anderes, jedoch sind alle Menschlichen Bedürfnisse erfüllt und es geht zurück ans Werk
  • 15:45 Uhr Koordinierung der Abfahrt um 16:00 Uhr plus Information an die Kräfte im Hotel
  • 16:00 Uhr Abholung des Klienten vom Meetingraum (Diesmal ohne Geschichte und entern des Raumes)
  • 17:00 Uhr Eintreffen am Hotel ohne nennenswerte Vorkommnisse
  • 17:05 Uhr Einteilung der eingesetzten Kräfte zur kurzen Erholung und Entsendung der Fahrer um die Autos erneut voll zu tanken
  • 17:30 Uhr nach Begehung aller Static Guard Positionen wurde ich durch den Klienten informiert, dass seine Frau gewonnen habe und wir abends besagtes Lokal aufsuchen
  • 17:35 Uhr Information an alle Kräfte sowie endgültige Planung des folgenden Einsatzes
  • 17:40 Uhr Sichtung des Lokals via Internet und durch Erklärung der Aufklärungskräfte
  • 17:45 Uhr Reservierung der Tische für Klienten und Familie und für die unmittelbaren Personenschützer
  • 18:00 Uhr Planung und Koordinierung der Abfahrt
  • 18:05 Uhr Planung des Folgetages mit direktem Angestellten des Klienten
  • 18:20 Uhr Erstellung des Dienstplans für Personenschützer und Aufklärer sowie Bedarfsplans an Fahrern unter Berücksichtigung von Arbeitszeitgesetzen und moralischen Einwänden (meine Position war die einfachste ich fange vor allen anderen an und höre nach allen anderen auf)
  • 18:30 Uhr Eintreffen im eigenen Zimmer, kurze Körperpflege und anlegen der Abendgarderobe (Knigge Kenntnisse werden in diesem Metier vorausgesetzt und der klassische „Man in Black“ würde im Lokal soviel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, dass die Mission sofort gefährlicher werden würde
  • 19:00 Uhr Abfahrt in Richtung Restaurant nach „Freigabe“ durch die Aufklärungskräfte
  • 19:20 Uhr Eintreffen im Restaurant und Begehung der Örtlichkeit nebst finaler Verteilung der Kräfte
  • 19:30 Uhr Verhandlung mit dem Küchenchef, dass dieser meinen Kräften im Hintergrund vom Gästebereich nicht einsehbar Speisen serviert (für schlappe 50€ Trinkgeld war der Herr dann auch damit einverstanden, aber lieber 50€ ärmer als hungernde Kräfte)
  • 22:00 Uhr Abfahrt Richtung Hotel und Eintreffen an selbigen 22:20 Uhr
  • 22:20 Uhr Begleitung der Klienten zu den Zimmern und Durchführung einer Abschlussbesprechung mit allen Kräften
  • 22:30 Uhr Begehung der Positionen der Nachtschicht sowie Entsendung der übermüdeten Personenschützer der Tagschicht ins Bett
  • 22:40 Uhr Briefing des Einsatzleiters der Static Guards zur neuen Situation (Einzug einer 2ten Delegation am Folgetag)
  • 22:45 Uhr Eintreffen im eigenen Zimmer und vorbereiten des Expanders für ein kurzes Workout
  • 22:55 Uhr Anruf des Klienten „Lassen sie uns doch noch auf eine Zigarre und einen Whisky in der Zigarrenlounge treffen“
  • 22:56 Uhr anlegen einer legeren, aber dennoch schicken Kleidung und verlegen des Standortes zum Zimmer des Klienten und mit diesem in die Zigarrenlounge
  • Small Talk über örtliche Politik (zum Glück habe ich mich vor dem Einsatz belesen und informiert im Rahmen der Gefährdungsanalyse) und darüber, wie schön es doch ist wenn man im Urlaub nicht viel arbeiten muss und einfach auch das Land genießen kann (ich war mir nicht sicher von was er sprach, bejahte es aber dennoch denn mein I Phone zeigte ja den ganzen Tag an, dass es sonnig sei
  • 23:45 Uhr Begleitung des Klienten auf dessen Zimmer und Erteilung einer Workout Befreiung an mich selbst
  • 23:50 Uhr Wecker wird auf 04:00 Uhr gestellt, denn vor dem Dienst morgen wollte ich wenigstens ein paar Kilometer joggen, um nicht ganz einzurosten

Und hey es sind nur noch 8 Tage und auch dieser Einsatz ist geschafft 😉

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick in den Alltag eines Personenschützers geben, der in so einem Falle durchaus abwechslungsreich aber auch manchmal Kräftezehrend sein kann.

Einblick in den Alltag eines Personenschützers auf Reisen

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